17.12.2012 von
Thema: Sinn oder Unsinn "amtswegiger Verständigung"?
17.12.2012 von
17.12.2012 von System1
Wenn ich schreibe bemühe ich mich so zu formulieren, dass mich möglichst viele Menschen verstehen. Das erwarte ich auch und vor allem von Behörden.
Im englisch-sprachigen Bereich gibt die http://en.wikipedia.org/wiki/Plain_English_Campaign einige einfache Tipps http://www.plainenglish.co.uk/files/howto.pdf :
[list:f2d5guvj][*:f2d5guvj]Kurze Sätze bauen.[/*:m:f2d5guvj]
[*:f2d5guvj]Aktive Verben benutzen.[/*:m:f2d5guvj]
[*:f2d5guvj]Wenig bekannte Wörter durch gängige Wörter ersetzen.[/*:m:f2d5guvj]
[*:f2d5guvj]Aufzählungen zur Gliederung von Informationen verwenden.[/*:m:f2d5guvj][/list:u:f2d5guvj]
Als Auslandsösterreicher erhalte ich gelegentlich Post vom Österreichischen Generalkonsulat. Die dort verwendete Amtssprache wundert mich immer sehr. Sie klingt für mich altmodisch und ist für Nicht-Muttersprachler schwer verständlich.
Da Deutsch meine Muttersprache ist und ich in Österreich aufgewachsen bin, verstehe ich diese Sprache. Meine ebenfalls deutschsprachigen Freunde dagegen haben dabei schon deutliche Schwierigkeiten. Noch schwerer tun sich die, die zwar sehr gutes Deutsch sprechen, aber eine andere Muttersprache haben.
Ein aktuelles, kleines Beispiel: "Der Wahlberechtige erhält sodann eine amtswegige Verständigung."
Hier könnte der Schreiber:
[list:f2d5guvj][*:f2d5guvj]Den Leser mit "Sie" ansprechen. Diese Mitteilung haben nur Wahlberechtigte erhalten.[/*:m:f2d5guvj]
[*:f2d5guvj]Ein aktives Verb verwenden.[/*:m:f2d5guvj]
[*:f2d5guvj]Das altmodisch klingende "amtswegig" weglassen. Hier ist klar, dass ich eine offizielle Mitteilung der Behörde erhalte und keinen Brief meiner Oma.[/*:m:f2d5guvj]
[*:f2d5guvj]"Verständigung" durch einen klareren Begriff ersetzen. Eine "Verständigung" kann sich auch auf die Qualität einer Telefonverbindung oder das Erreichen eines Kompromisses beziehen.[/*:m:f2d5guvj][/list:u:f2d5guvj]
Zum Beispiel: "Wir informieren Sie dann schriftlich."
Mich interessiert warum Behörden eine eigene Amtssprache benutzen.
[list:f2d5guvj][*:f2d5guvj]Handelt es sich bei der Amtssprache um eine erhaltenswerte Sprachkultur?[/*:m:f2d5guvj]
[*:f2d5guvj]Kann mit verständlicherer Sprache nicht eindeutig genug formuliert werden?[/*:m:f2d5guvj]
[*:f2d5guvj]Sollen Ungebildete oder Ausländer den Text nicht verstehen?[/*:m:f2d5guvj]
[*:f2d5guvj]Kennen die Verfasser nur ihre Amtssprache?[/*:m:f2d5guvj]
[*:f2d5guvj]Ist den Verfassern egal wie viele Leser sie verstehen?[/*:m:f2d5guvj][/list:u:f2d5guvj]
20.12.2012 von System1
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Als 'Amtssprachen' werden in der Verfassung eines Staates die Sprachen bezeichnet, welche die Staatsorgane benützen müssen. Die Schweiz hat 4 'Landessprachen': Deutsch, Französisch, Italienisch und Romanisch. 3 davon sind 'Amtssprachen': Deutsch, Französisch und Italienisch.
Unter 'Amtsdeutsch' versteht man eine speziell förmliche Ausdrucksweise im Schriftverkehr vieler Behörden und Verwaltungen. Es dient zur begrifflich genauen Formulierung von Sachverhalten. Begriffe aus Gesetzen und Verordnungen werden unverändert übernommen; man muss diese also kennen. Im Amtsdeutsch können auch unnötig gestelzte Formulierungen vorkommen.
Als 'Kanzleistil' bezeichnet man einen sprachlich geschraubten Schriftverkehr von Behörden und Anwälten.
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20.12.2012 von System1
Danke für die Korrektur. Ich formuliere meine Frage daher um:
Warum benutzen Behörden "Amtsdeutsch" und "Kanzleistil"?
Eindeutigkeit spielt sicher eine wichtige Rolle. Für mein Empfinden schießen Behörden hier oft weit über das Ziel hinaus. Warum "Der Wahlberechtige erhält sodann eine amtswegige Verständigung" wenn "Wir informieren Sie dann schriftlich" im vorliegenden Fall die gleiche Bedeutung hat?